Wachsen. Reformieren. Transformieren

Wir leben in aufregenden Zeiten. Noch nie war so viele Veränderung in so kurzer Zeit und in so großem Umfang notwendig – und möglich. Doch was ist Veränderung? Wie und wann ereignet sie sich? Wieso gibt es Veränderungsprozesse, die uns begeistern und inspirieren – und andere, die sich wie Sterben anfühlen.

Veränderungsprozesse folgen einer bestimmten Logik.  Und es hilfreich, eine Landkarte zur Hand haben…

Jeder ist ein Sternenhimmel

Hermann Hesse hat einmal gesagt: ‚In Wirklichkeit ist kein Ich eine Einheit, sondern eine höchst vielfältige Welt, ein kleiner Sternenhimmel‘.

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Früher war die Frage ‚Wer bin ich?‘ vor allem eine therapeutische Frage. Im Alltag ergab sich unsere Identität mehr oder weniger von selbst – durch unsere Herkunft, unseren Beruf und die Erwartungen von Anderen. Heute braucht es für die Selbstführung durch die unterschiedlichen Aspekte unserer Identität im Grunde einen ganz eigenen Kompass.

Hierzu gibt es einen sehr lesenswerten Artikel von Wolf Lotter in Brandeins 6/2009: Es sind unsere Ziele und Absichten, die uns im Rausch der Möglichkeiten unseren Weg finden lassen.

Das Netz hat unsere bisherige Identität multipliziert und verflüssigt. Diese Verflüssigung unseres Ichs können wir nicht mehr rückgängig machen. Mit ihr wächst die Orientierungslosigkeit – aber mit ihr wachsen auch neue Möglichkeiten. Wer mehr dazu hören und sehen möchte, kann das in einer der letzten Ausgaben des Elektrischen Reporters von Marius Sixtus tun.

Wenn sich das eigenen Identitätsformat verflüssigt, dann sind es vor allem die Menschen, mit denen wir verbunden sind, die deutlich machen, wer wir sind. Die Qualität unserer Beziehungen wird also in Zukunft zeigen, woher wir kommen, was uns am Herzen liegt ist und wer wir sind.

Joanne K. Rowling: Warum Rückschläge wichtig sind

Manchmal beneide ich die Amerikaner um ihre emotionalen Ritualen. So gibt es bei ihnen zum Beispiel die Tradition der Abschlussreden am Ende des Studiums (Commencement Speech).

Dazu werden Prominente aus Politik, Wirtschaft und Kultur dazu gebeten, der nächsten Generation etwas von der eigenen Lebenserfahrung mit auf den Weg zu geben. 2008 hat die Harvard University Joanne K. Rowling dazu eingeladen. Sie sprach – ganz im Sinne von Harry Potter – darüber, warum Rückschläge gut und Phantasie so wichtig ist:

‚Jeder erleidet irgendwann einmal Rückschläge. Es ist unmöglich, im Leben ohne sie auszukommen – es sei denn, ihr lebt extrem vorsichtig und vermeidet sie. Aber dann war euer Leben umsonst – und automatisch ein einziger Rückschlag.‘

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Ich habe selber zwei Studiengänge abgeschlossen. Am Ende bin ich in ein Büro gegangen und habe mein Diplom abgeholt. Das wars dann auch schon… Ich weiß noch genau, wie schal es sich jedesmal angefühlt hat. All die Jahre hatte ich mich mit so viele Leidenschaft für neues Wissen und innovative Wege engagiert – und dann endet es schließlich in einem bürokratischen Akt.

Ich bin mir sicher – hätte ich in diesem Augenblick die Kraft und den Segen der Älteren gehabt, ich wäre mit mehr Leidenschaft und Begeisterung in meine Zukunft gegangen…

Ich habe inzwischen alle sieben Bände von Harry Potter gelesen. Nachdem ich Joanne Rowling so perönlich gehört und gefühlt habe, weiß ich, warum mich ihre Bücher so kindlich-unschuldig und gleichzeitig so gewachsen-weise berührt haben.

Wer die Rede gerne im ganzen lesen möchte, findet sie im im Harvard Magazin.