Die Bücherdiebin

Solange ich denken kann, habe ich immer wieder in Worten nach der Kraft zum Leben gesucht. Im Laufe der Zeit hat es viele Bücher gegeben, die mir unter die Haut gingen und mich zutiefst bewegt haben. Auf meiner Liste der lebendigen Bücher ist Die Bücherdiebin von Markus Zusak wohl das außergewöhnlichste.

Kein Wunder – schließlich wird diese Geschichte vom Tod selber erzählt. Einem zerbrechlichen Tod, der das Sterben eines Menschen als einzigartiges Spiel von Farben erlebt, der sich von jedem Leben anrühren lässt, bis er es schließlich zärtlich in die Arme nimmt.

Markus Zusak erzählt hier (in Anlehnung an das Leben seiner Mutter) die Geschichte eines Mädchens, das 1933 in einem kleinen Nachbardorf von Dachau in einer Pflegefamilie abgegeben wird. Sie wird zur Bücherdiebin, um durch die Kraft der Worte mit dem Tod – und ihrem Überleben – fertig zu werden.

Über viele Seiten hinweg sind mir die Tränen in großen Flüssen über die Wangen gelaufen. Dann wieder mußte ich lauthals lachen, und manchmal ist mein Herz fast vor Glück geplatzt. Es ist unglaublich, mit wie viel Humor, Leichtigkeit und Tiefsinn der Tod hier das Leben beschreibt. Jedes Kaptiel, jede Seite, jedes Wort beschreibt seine Liebe zum Leben…

Dieses Buch lege ich Ihnen ans Herz. Wenn Sie sich nicht wehren, wird es auch Sie verwandeln.

Freundschaft – Geboren um zu leben

1987 ist meine meine Freundin Isis Doris Hasenbrink durch einen Unfall tödlich verunglückt. Ihr Tod war für mich ein Schicksalsschlag. Er hat meinem Leben von einem Augenblick auf den nächsten den Boden unter den Füssen entzogen hat. In meinem Herzen ist sie bis heute unvergessen. Seit ihrem Tod hat sich für mich alles – vor allem durch die Liebe – verändert.

Diese Ode an das Lebens ist für dich, Isis. Und sie ist gleichzeitig mein Geschenk an die Liebe…

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Bis in jede Zelle – lebendig sein

Ich treffe Carina auf der Strasse und wir geraten ins Gespräch. Mit dieser Freundin von Gegenüber erlebe ich – mitten in Düsseldorf – was man sich vom Dorfleben erzählt: Straßen-Gespräche… einfach so… Zwischendurch verschwinden wir beide begeistert in einer Begegnung. Anschließend ziehen wir weiter… weniger einsam… weniger anonym… inspiriert vom Kontakt.

Dieses Mal erzählt sie von einem amerikanischen Indianer, bei dem sie einem Workshop gemacht hat: Kaum jemand bei uns sei in seinem Körper, wenn er stirbt… Da wir immer weniger mit unseren Gefühlen verbunden sind, verschwindet das Leben aus unserem Leben – lange bevor der Tod kommt… Wir sterben alle tot.

Dieser Satz von ihm hat mich getroffen wie ein Zen-Stock. Vor Jahren habe ich mir selber versprochen, bis in jede Zelle hinein lebendig sein – bevor ich sterbe. Das hat mich zu meinen Gefühle geführt – und in meinem Körper. Erst durch Fühlen und Sinnlichkeit beginnt Energie lebendig zu werden – und mitmenschlich…. Intelligenz ohne Herz ist flach und geistlos… und Gefühle ohne Ausdruckskraft erzeugt Einsamkeit statt Verbindung…

So wirke ich mit – an der Verlebendigung der Menschen.

Ich fange mit mir an… Wie vorbehaltlos bin ich gerade – im Geben, im Nehmen, im Wählen und Verbinden?

Das Geschenk der Abwesenheit

1987: Auf Lanzarote stirbt während einer Konferenz meine beste Freundin durch einen Verkehrsunfall. Am nächsten Tag segnet Peter Sloterdijk ihren plötzlichen Tod mit Worten, die unmittelbar aus seiner Betroffenheit geboren sind: Manchmal sei es gerade die Anwesenheit eines Menschen, die verhindert, dass wir ihn wirklich in seinem Wesen erkennen können. Er behielt Recht: In der Zeit nach ihrem Tod lerne ich Isis noch einmal neu kennen – als Geschenk des Himmels für meinen eigenen Weg und als gnadenreiche Zumutung des Lebens, um durch Enttäuschung und Leid hindurch in meine eigene Kraft zu wachsen.

2005: Johannes Paul II. stirbt nach einem langen und hartnäckigen Ringen zwischen Körper und Geist. In seinen letzten Lebensjahren hat er immer wieder meine Hochachtung gewonnen, weil er den Mut besaß, sich völlig ohne jede Scham in seinen menschlichen Schwächen zu zeigen. Er kannte einfach keinen falschen Stolz – das war wohl seine größte spirituelle Kraft. 25 Jahre lang – immerhin mehr als die Hälfte meines Lebens – war er ein stiller, fast unbemerkter Weltenführer unserer Zeit. Von seiner großen Kraft war kaum etwas zu bemerken – weil Bewertungen, Vorurteile und Meinungen uns daran gehindert haben, die spirituell-friedliche Dimension seiner Weltinnenpolitik wahrzunehmen und zu achten. Erst jetzt, wo er tot ist, werden Aspekte seines Wesens sichtbar, die über Jahrzehnte unsichtbar waren und von den Medien ausgeblendet wurden. In diesen Tagen lerne ich Johannes Paul II. als einen Menschen kennen, den ich nie kennen lernen konnte, solange er noch anwesend war.

Am 18. April öffnet sich nun ein Raum in eine neue Zukunft.
Möge das Leben uns allen einen Papst zumuten, den unsere Zeit braucht…