Das Grundgesetz – eine Einladung zur Vielfalt

Ich habe gerade das Grundgesetz neu entdeckt. Und ich staune nicht schlecht: Es hat seit 23.5.1949 nichts von seiner Würde und Mitmenschlichkeit verloren.

Wir haben in unserer deutschen Geschichte die Würde des Menschen mit Füssen getreten -- so wie es nur wenige Völker getan haben. Die Mütter und Väter des Grundgesetzes beginnen daher mit Grundrechten (Artikel 1-19), die für alle Menschen gelten -- ganz gleich welcher Religionen sie angehören, wo sie oder ihre Eltern geboren wurden, welche Haut- oder Augenfarbe sie haben.

Es ist gut, wenn das Grundgesetz Gesichter bekommt… Die Autoren dieses Videos haben es sich auf die Stirn geschrieben, auf die Arme, die Hände, den Hals, den Rücken… Und auf einmal hat unsere Verfassung Hand und Fuss -- und eine Sprache, die unter die Haut geht.

Wir sind das Grundgesetz I Hauptclip
Dieses Video ansehen auf YouTube.

Nachdem ich das Video gesehen habe, habe ich noch einmal jeden Artikel der Grundrechte genau gelesen. Was für eine kraftvolle Verfassung wir haben… Hier wird Vielfalt bewusst eingeladen, und zum Fundament unseres gesellschaftlichen Miteinanders erklärt. Flüchtlinge sind willkommen, Unterschiede werden begrüßt und Widerstand ist erwünscht.

Wenn jemand daran gehindert wird, zu lieben oder zu leben wie er will, dann steht auf….

Das Grundgesetz ist eine Einladung zur Vielfalt.
Also -- lasst uns unsere Rechte nutzen.

Führung als gemeinschaftlicher Suchprozess

Seit vielen Jahren erforscht Prof. Peter Kruse die gesellschaftliche Transformation, die wir alle gerade erleben. Kaum jemand versteht es so gut wie er, diesen umfassenden gesellschaftlichen Veränderungsprozess systematisch zu beschreiben. Für mich ist er einer der bedeutsamsten Komplexitätsforscher unserer Zeit. Er ist in der Lage, systemische Zusammenhänge auf den Punkt zu bringen. Er ist sprachgewandt und schnell, daher schau ich mir seine Videos immer mehrmals an. Für mich wird der Inhalt dabei jedes Mal verständlicher und praktischer.

In diesem Video spricht er über das Ende der hierarchischen Führung. Die Aufgabe der Führung besteht für ihn mehr und mehr darin, einen gemeinschaftlichen Suchprozess anzuleiten. Das ist ein echter Paradigmenwechsel. Hier eine Zusmmenfassung seiner Aussagen:

  • Durch Technik und Globalisierung ist eine extrem Vernetzungsdichte entstanden. Immer mehr Menschen teilen Informationen miteinander. Es entstehen viele spontane Aktivitäten, die wiederum mit massiven Rückkopplungseffekten verbunden sind.
  •  Es gibt auf einmal so viele Einflüsse, dass wir mögliche Veränderungen nicht mehr berechnen, bedenken, vorhersagen können. So entsteht Komplexität.
  • Veränderungsprozesse verlaufen immer schneller, sodass wir gar nicht mehr in der Lage sind, dafür Regeln aufzustellen. Wir müssen der eigenen Wahrnehmung vertrauen, um spontan handlungsfähig zu bleiben.
  • Die klaren Richtlinien für Falsch und Richtig lösen sich auf, und die Frage nach unseren Werten wird wichtig. In Form eines gemeinschaftlichen Suchprozesses gilt es gelebte Antworten zu finden: In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Wie wollen wir arbeiten?
  • Fazit: Es bleibt uns nichts anderes übrig, als zu üben, mit ergebnisoffenen (nicht kontrollierbaren) Prozessen umzugehen.
Führung wird zu einem gemeinschaftlichen Suchprozess!
Dieses Video ansehen auf YouTube.

Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Dennoch -- es gibt bereits eine Reihe von Unternehmen, die ungewöhnliche Wege ausprobieren. Und das mit viel Erfolg. Die ARTE Dokumentation Mein wunderbarer Arbeitsplatz zeigt anhand von konkreten Beispielen aus Frankreich, dass ein gemeinschaftlicher Suchprozess großartig funktionieren kann, wenn hierarchische Strukturen aufgelöst werden und die Zusammenarbeit aller Beteiligten auf Vertrauen (statt Kontrolle) beruht.

Der Mut dieser Firmeneigentümer und Unternehmer, vorbehaltlos auf die Potenziale ihrer Mitarbeiter zu setzen, beindruckt mich sehr. Sie machen deutlich, wie viele Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, sich ganz einzubringen und gemeinsam nach kreativen Lösungen zu suchen. Voraussetzung dafür ist alledings, dass sich Hierachie in Partnerschaft wandelt. Wie sich das auf alle Beteiligten auswirkt, zeigt der Film Augenhöhe.

Hier kommen Menschen aus unterschiedlichsten deutschen Unternehmen zu Wort. In ihnen wird etwas ganz Entscheidendes anders gemacht -- es wird auf Augenhöhe gearbeitet. Das bedeutet zum Beispiel, dass sich in einer Klinik sowohl die Ärzte, wie auch die Pflege, die Therapeuten und das Reinigungspersonal mit dem Unternehmen identifizieren. Hier wird deutlich, dass Augenhöhe nicht nur mehr Zufriedenheit bei allen Beteiligten bewirkt, sondern auch eine größere Nähe zum Kunden/ Patienten. Die Filmemacher wollten eine gelebte Inspiration schaffen, und das ist ihnen auch gelungen. Inzwischen macht der Film seine Runde durch Deutschland. Es gibt zahlreiche Veranstaltungen, auf denen der Film zu sehen ist, und zu anschliessenden Gesprächen eingeladen wird. Vielleicht haben Sie ja Lust, an einem dieser Abend dabei zusein.