Führung als gemeinschaftlicher Suchprozess

Seit vielen Jahren erforscht Prof. Peter Kruse die gesellschaftliche Transformation, die wir alle gerade erleben. Kaum jemand versteht es so gut wie er, diesen umfassenden gesellschaftlichen Veränderungsprozess systematisch zu beschreiben. Für mich ist er einer der bedeutsamsten Komplexitätsforscher unserer Zeit. Er ist in der Lage, systemische Zusammenhänge auf den Punkt zu bringen. Er ist sprachgewandt und schnell, daher schau ich mir seine Videos immer mehrmals an. Für mich wird der Inhalt dabei jedes Mal verständlicher und praktischer.

In diesem Video spricht er über das Ende der hierarchischen Führung. Die Aufgabe der Führung besteht für ihn mehr und mehr darin, einen gemeinschaftlichen Suchprozess anzuleiten. Das ist ein echter Paradigmenwechsel. Hier eine Zusmmenfassung seiner Aussagen:

  • Durch Technik und Globalisierung ist eine extrem Vernetzungsdichte entstanden. Immer mehr Menschen teilen Informationen miteinander. Es entstehen viele spontane Aktivitäten, die wiederum mit massiven Rückkopplungseffekten verbunden sind.
  •  Es gibt auf einmal so viele Einflüsse, dass wir mögliche Veränderungen nicht mehr berechnen, bedenken, vorhersagen können. So entsteht Komplexität.
  • Veränderungsprozesse verlaufen immer schneller, sodass wir gar nicht mehr in der Lage sind, dafür Regeln aufzustellen. Wir müssen der eigenen Wahrnehmung vertrauen, um spontan handlungsfähig zu bleiben.
  • Die klaren Richtlinien für Falsch und Richtig lösen sich auf, und die Frage nach unseren Werten wird wichtig. In Form eines gemeinschaftlichen Suchprozesses gilt es gelebte Antworten zu finden: In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Wie wollen wir arbeiten?
  • Fazit: Es bleibt uns nichts anderes übrig, als zu üben, mit ergebnisoffenen (nicht kontrollierbaren) Prozessen umzugehen.
Führung wird zu einem gemeinschaftlichen Suchprozess!

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Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Dennoch – es gibt bereits eine Reihe von Unternehmen, die ungewöhnliche Wege ausprobieren. Und das mit viel Erfolg. Die ARTE Dokumentation Mein wunderbarer Arbeitsplatz zeigt anhand von konkreten Beispielen aus Frankreich, dass ein gemeinschaftlicher Suchprozess großartig funktionieren kann, wenn hierarchische Strukturen aufgelöst werden und die Zusammenarbeit aller Beteiligten auf Vertrauen (statt Kontrolle) beruht.

Der Mut dieser Firmeneigentümer und Unternehmer, vorbehaltlos auf die Potenziale ihrer Mitarbeiter zu setzen, beindruckt mich sehr. Sie machen deutlich, wie viele Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, sich ganz einzubringen und gemeinsam nach kreativen Lösungen zu suchen. Voraussetzung dafür ist alledings, dass sich Hierachie in Partnerschaft wandelt. Wie sich das auf alle Beteiligten auswirkt, zeigt der Film Augenhöhe.

Hier kommen Menschen aus unterschiedlichsten deutschen Unternehmen zu Wort. In ihnen wird etwas ganz Entscheidendes anders gemacht – es wird auf Augenhöhe gearbeitet. Das bedeutet zum Beispiel, dass sich in einer Klinik sowohl die Ärzte, wie auch die Pflege, die Therapeuten und das Reinigungspersonal mit dem Unternehmen identifizieren. Hier wird deutlich, dass Augenhöhe nicht nur mehr Zufriedenheit bei allen Beteiligten bewirkt, sondern auch eine größere Nähe zum Kunden/ Patienten. Die Filmemacher wollten eine gelebte Inspiration schaffen, und das ist ihnen auch gelungen. Inzwischen macht der Film seine Runde durch Deutschland. Es gibt zahlreiche Veranstaltungen, auf denen der Film zu sehen ist, und zu anschliessenden Gesprächen eingeladen wird. Vielleicht haben Sie ja Lust, an einem dieser Abend dabei zusein.

Vertrauen statt Angst

Am Donnerstag 29.10.2009 können Sie mich um 19 Uhr in der Berliner Urania treffen. Dort bin ich zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion eingeladen worden. Das Thema ist : Vertrauen statt Angst – Über den Nutzen eines gefürchteten Gefühls.

Kaum etwas schadet dem Vertrauen in uns, in andere und in die Zukunft so sehr wie Angst. Sie verengt unsere Wahrnehmungen und zerstört auf Dauer Gesundheit und Glück. Was ist zu tun oder zu lassen, damit uns diese Emotion mehr nützt als schadet? Wie können wir lernen, mit unserer Furcht richtig umzugehen? Können wir Angst in Vertrauen wandeln? Welche Rolle spielt dabei das Denken, welche der Körper?

Dr. Jan Hendrik Taubert wird den Abend moderieren – zuerst als Gespräch zwischen Dr. Klaus Jürgen Grün und mir und anschließend als Dialog mit dem Publikum.

Grün spricht sich dabei für mehr Urvertrauen aus. Der Philosoph und Managementberater knüpft an sein neues Buch Angst – vom Nutzen eines gefürchteten Gefühls an. „Ausbeuter der Angst haben ein leichtes Spiel, weil wir richtige nicht von falschen Gefahren unterscheiden können. Wer zu seinen Neigungen und Wünschen steht, braucht weniger Angst bei sich und anderen aufzubauen.“

Ich plädiere für eine neue Fehlerkultur und einen konstruktiven Umgang mit Gefühlen. Damit sich Angst in Vertrauen wandeln kann, ist es wichtig, zu den eigenen Schwächen stehen zu können und Fehler einzugestehen – und dafür respektiert und geachtet zu werden.

Und was würden Sie dazu sagen?