Ein PLädoyer für das gefährliche Denken

Neue Wege beginnen mit neuen Gedanken. Und zwar unmittelbar und direkt – gerade in der jetzigen Zeit. Über das gefährliche Denken spricht kaum jemand so tiefsinnig und umfassend wie Peter Sloterdijk.

Er erinnert mich an die Wirkkraft unseres Bewusstseins – sobald wir die Höhle des eigenen Denkens verlassen. Eine Begegnung kann zu einer bewusstseinsverändernden Erfahrung werden – wenn wir aufhören, sie mit unseren alten Gedanken zu bedenken.

Dies ist schon ein etwas älteres Porträt von Peter Sloterdijk. Ich mag es, weil es so persönlich ist…

Peter Sloterdijk - "Gefährliches Denken" - Porträt
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Das Geschenk der Abwesenheit

1987: Auf Lanzarote stirbt während einer Konferenz meine beste Freundin durch einen Verkehrsunfall. Am nächsten Tag segnet Peter Sloterdijk ihren plötzlichen Tod mit Worten, die unmittelbar aus seiner Betroffenheit geboren sind: Manchmal sei es gerade die Anwesenheit eines Menschen, die verhindert, dass wir ihn wirklich in seinem Wesen erkennen können. Er behielt Recht: In der Zeit nach ihrem Tod lerne ich Isis noch einmal neu kennen – als Geschenk des Himmels für meinen eigenen Weg und als gnadenreiche Zumutung des Lebens, um durch Enttäuschung und Leid hindurch in meine eigene Kraft zu wachsen.

2005: Johannes Paul II. stirbt nach einem langen und hartnäckigen Ringen zwischen Körper und Geist. In seinen letzten Lebensjahren hat er immer wieder meine Hochachtung gewonnen, weil er den Mut besaß, sich völlig ohne jede Scham in seinen menschlichen Schwächen zu zeigen. Er kannte einfach keinen falschen Stolz – das war wohl seine größte spirituelle Kraft. 25 Jahre lang – immerhin mehr als die Hälfte meines Lebens – war er ein stiller, fast unbemerkter Weltenführer unserer Zeit. Von seiner großen Kraft war kaum etwas zu bemerken – weil Bewertungen, Vorurteile und Meinungen uns daran gehindert haben, die spirituell-friedliche Dimension seiner Weltinnenpolitik wahrzunehmen und zu achten. Erst jetzt, wo er tot ist, werden Aspekte seines Wesens sichtbar, die über Jahrzehnte unsichtbar waren und von den Medien ausgeblendet wurden. In diesen Tagen lerne ich Johannes Paul II. als einen Menschen kennen, den ich nie kennen lernen konnte, solange er noch anwesend war.

Am 18. April öffnet sich nun ein Raum in eine neue Zukunft.
Möge das Leben uns allen einen Papst zumuten, den unsere Zeit braucht…