Das Neurologische Therapiezentrum in Kapfenberg hat mich am am 05.11.2011 zu einem Vortrag eingeladen. Es ist unglaublich, wie hungrig diese jungen Physiotherapeuten sind, Möglichkeiten zu finden, wie sie Menschen gezielter behandeln – und manchmal auch begleiten können.
Körper
Was uns unter die Haut geht
Manchmal brauchen wir eine Pause, um wieder zur Besinnung zu kommen. So war ich zum Jahreswechsel auf Sri Lanka: Drei Wochen Ayurvedakur – auf den Spuren unserer Tsunami-Erfahrungen von 2004…
Dort bin ich plötzlich wieder in mir aufgewacht – und zu Sinnen gekommen. Ich war zutiefst erschüttert darüber, wie weit ich mich von meinem Körper und meinen Sinnen entfernt hatte. Ich hatte mich im Taumel der Wichtigkeiten verloren und war nur noch auf Autopilot unterwegs. Fassungslos erkannte ich das Ausmaß des Vergessens, dass mit meinem Funktionieren einherging… Und dabei hatte ich mir doch fest vorgenommen, immer wieder im Chaos innezuhalten, mich mit meinem Körper zu verbinden, ins Zellbewusstsein zu lauschen und den Zauber des Lebendigseins zu geniessen.
Plötzlich fällt mir der Kellner aus der Lounge in Frankfurt ein, der sich auf seinen Arm geschrieben hat: Gott gebe mir die Kraft, Dinge hinzunehmen, dich ich nicht ändern kann. Den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Als ich ihn um ein Foto bitte, erzählt er mir, dass er nach einem Weg gesucht hat, sich selber nicht mehr zu vergessen. So hat er sich dieses Gebet auf den Arm tätowiert. Jedesmal, wenn er nun einen Gast die Hand reicht, erinnert er sich…
Ein paar Tage später treffe ich Karin. Sie hat ein ungewöhnliches Tattoo auf dem Rücken und wir kommen ins Gespräch. Sie erzählt mir, dass sie nie vergessen möchte, dass Jesus in ihrem Leben Wege findet, denen sie vertrauen kann. ‚Ich vertrau auf Jesus‘ steht daher auf ihrem Schulterblättern. Nach einigen Tagen sehr ich neben mir einen Mann mit ’silent‘ auf dem Rücken. Als ich ihn frage, was ihn bewegt hat, sich dieses Wort unter die Haut zu schreiben, sagt er: ‚Das ist mein größter Traum. So weiß ich, dass ich ihn immer im Rücken habe‘. Wir sind scheinbar alle vergesslich und suchen nach Wegen, uns zu erinnern.
Einsicht und Achtsamkeit fallen uns nicht einfach so zu. Wir müssen sie wohl immer wieder aus dem Sog des Alltags herauslösen und bewahren. Wachheit braucht Aufmerksamkeit – und Erinnerung…
Mir war es ein Rätsel, warum sich jemand tätowieren lässt. Allein die Vorstellung, dass Nadeln unter meine Haut dringen, schmerzt mich. Ich denke gleich an Franz Kafkas Erzählung In der Strafkolonie, in dem eine Machine dem Gefangenen sein Urteil so lange in die Haut einschreibt, bis er stirb.
Biologisch sind wir erstmal nur für ein durchschnittliches Leben ausgestattet. Wenn wir uns darüber hinaus entwicklen wollen, braucht es Bewusstheit, Selbst-Liebe und die Selbst-Erinnerung an gewonnene Einsichten und Entscheidungen.
Zum ersten Mal kann ich nachvollziehen, warum manche Menschen sich tätowieren lassen. Jeder von uns braucht Brücken ins Erinnern. Sie nutzen dazu ihr Tattoo. Ich vertraue auf die Erinnerungskraft meiner Freunde und baue mir Alltagsrituale. Aber der Wunsch ist der gleich: Wir wollen nicht vergessen.
Tanzen und feiern – auch ohne Grund
Mein 17-jähriger Neffe freut sich auf jedes Wochenende – weil er dann Party machen kann. Dazu treffen sich die Jugendlichen, bauen eine Musikanlage auf, legen Musik ein und tanzen. Stundenlang. Nicht selten treffen sich die Jungen alleine und tanzen miteinander. Ich weiß noch, wie scheu und schüchtern ich – und die meisten aus meiner Generation – beim Tanzen waren. Tanzen war für uns eine echte Mutprobe. Junge Männer, die einfach zusammen getanzt haben, GAB ES NICHT!
Vor ein paar Tage sitzen wir mit Freunden zusammen und ein Paar erzählt, dass ihre Töchter jedes Wochenende zum Feiern gehen. Und das ohne Grund, betont der Vater fast schockiert. Ein Wochenende ohne Party sei für sie ein vertanes Wochenende. Musik und Tanzen gehören selbstverständlich dazu. Es gibt keinen Anlass, keinen Grund – sie feiern einfach. Lebensfreude beginnt für sie, wenn sie sich miteinander bewegen.
Lebensfreude ohne Grund kann sich meine Generation kaum vorstellen. Viele Eltern denken dabei an Alkohol und Drogen, an Orgien und Exzesse. Nun ja, unsere Generation hat im Augenblick auch nicht so viel zu lachen. Wir sind mit dem konfrontiert, was wir jahrzehntelang nicht bedacht haben – sowohl persönlich wie gesellschaftlich. Vielleicht geht es für uns gerade weniger ums Feiern als ums Aufwachen…
Was für ein Segen, das die Jungen derweil die Freude am Leben nicht vergessen – oder?
One Minute Meditation
Im Grunde ist Entspannung ganz einfach – und braucht (fast) keine Zeit.
Körper + Emotion. Die Logik der Gefühle als Leitfaden in der Physiotherapie
Am 7. und 10. Mai habe ich im Fortbildungszentrum Klagenfurt und im Neurologischen Therapiezentrum Kapfenberg einen Vortrag über die Logik der Gefühle in der Physiotherapie gehalten.
Immer mehr Körpertherapeuten erleben, dass ihre Patienten nicht nur unter körperlichen Symptomen leiden, sondern auch unter emotionalem und sozialem Stress. Da Denken, Fühlen und Körper untrennbar miteinander verbunden sind, kann Gesundung auf sehr vielfältige Weisen geschehen.
Die Vorträge waren ein Auftakt zu einer Weiterbildung für Physiotherapeuten, die ich dort zusammen mit Andrea Danowsky durchführen werde.