Sie ist eine Perl-Mutter

Birgit-Rita Reifferscheidt: Aus den Wunden ihrer Geschichte reifen Perlen – verborgen in einer Perlmutter-Auster. In ihr reichen sich Männliches und Weibliches die Hand. Hingabe und Handlung sind unwiderruflich miteinander verbunden.

Sie kann zuschnappen, sich verschließen, unbestechlich sein. Sie lässt sich nicht mehr brechen. Wo ihre Geschichte den Grund berührt, zerspringt die Schale und offenbart ihre große Weise zu lieben.

Sie ist eine Perl-Mutter.

Sie erkennt Weisheit als das Vermögen glücklich zu sein und beglückend zu wirken. Sie hat die Gabe, in anderen das Heranwachsen einer Perle zu sehen und zu fördern. Darin ist sie leidenschaftlich, hemmungslos und vielfältig.

Hat sie auch dich schon gerufen – bei deinem wahren Namen?

Sie ist die Freundin, die unbeirrbar bleibt.
Sie ist die Tochter, die nicht aufgibt und nicht nachgibt.
Sie ist die Mentorin, die vorbehaltlos fördert.
Sie ist die Frau, die rückhaltlos liebt.

Sie ist eine Perl-Mutter. Sie ist meine Freundin.

The Story of Berlin

Mitten auf dem Kuhdamm – ein Erlebnismuseum: The Story of Berlin.
Eine multimediale Zeitreise durch die deutsche Geschichte, betrachtet und fühlbar gemacht durch die Wahrnehmungstore einer Stadt. Ich steige ein und der Strom der Geschichte nimmt mich mit (im doppelten Sinne des Wortes). Durch begehbare Kulissen, interaktive Touchsreens, Licht-, Ton- und Geruchsinszenierungen, werde ich zum aktiv Erlebenden: Ich kann Geschichte auf einmal hören, sehen und sogar riechen, ich bekomme ein unmittelbares Gefühl für die Seelen-Stimmung einer Zeit, für die Menschen-Kraft einer Epoche.

Beim Wiederauftauchen in unserer Zeit erfüllt mich eine große Dankbarkeit. Ich spüre, dass unsere Geschichte mein Erbe ist. Ohne sie wäre ich nicht. Ohne sie hätte mein Leben keinen Grund, keine Richtung. Ich spüre den unsagbaren Schatz menschlicher Erfahrung, den sie mir in den Rücken stellt. Immer wieder klingen Eindrücke, Bewegungen und Bilder aus dem letzten Jahrhundert deutscher Geschichte wie ein Echo in mir nach. Ich (wir alle!) wurde in eine Zeit hinein geboren, die mehr Geschichte produziert hat, als wir in einem Menschenleben verdauen können. Zum ersten Mal hört der Hader auf, der Groll, der stille Vorwurf gegen die kollektive Ignoranz meiner Vorfahren.

Schade, dass wir Geschichte immer wieder in die Vergangenheit abschieben. In ihrem Spiegel können wir so viel lernen: über die Logik der Gefühle, über die Grenzen der Politik, über die Verführbarkeit der Menschen, die nicht wissen wollen, über Dynamik und Stabilität von gesellschaftlichen Systemen.

Ich wünsche dieses Museum jedem Lehrer, jedem Schüler, jedem Politiker, jedem Künstler, jedem Unternehmer, jedem Psychologen… Etwas an dieser Zeitreise hat mich milde gestimmt.

Das Geschenk der Zeit

Ich habe mich Ende Mai entschieden, einen Tag in der Woche in meinem Kalender zu markieren: hier gibt es keine Termine, keine Aufgaben. Dieser Tag ist ein Tag, den ich ganz der Zeit schenke. An diesem Tag geschieht nichts nach Plan. Ich folge meinen Impulsen und der Spur der Lust… Für eine Frau wie mich, die sich durch das unentwegte Funktionieren einen Platz in der Welt gesichert hat, ist das ein Quantum Sprung.

Warum diese Wahl? Ich weiss, dass bestimmte Einsichten, Ideen und Inspiration nur im Seinsfeld der Zeit auftauchen können. Ich spüre, dass die eigene intuitive Spur aus einem Raum von Nicht-Einmischung entspringt. Jedes Müssen und Sollen ist wie eine Gegen-Gift für diesen Aspekt meines Lebens. Ich glaube, die Sehnsucht wächst, mich pur zu leben – unabhängig von eingespielten und sicheren Abläufen.

Ich erlebe mit dieser Entscheidung ein unsagbares Glück in den Zwischen-Räumen der Zeit. Ich erfahre, dass manche Gaben nur die Zeit bringt. Freundschaft – zum Beispiel – gedeiht nur im Reich der geteilten Zeit. Beziehung und Partnerschaft gelingen organisch und leicht, wenn wir genügend Zeit mit einander verbringen.

Es braucht wohl eine erschütternde Erfahrung der Vergänglichkeit, um die Zeit, die wir mit einem Menschen teilen, wirklich würdigen und schätzen zu können. Erst dann bin ich im Augenblick angekommen.

Ich danke meinem Vater für diese Erfahrung der Vergänglichkeit – und für die Kraft seines Herzens.

Väterliche Herzkraft

Gerade habe ich die Nachricht bekommen, dass mein Vater in einigen Tagen an seinem Herzen operiert wird. Im Augenblick habe ich mehr Angst als er. Er ist einfach nur erleichtert, dass es eine Lösung zu geben scheint, für einen Leidensweg, der für ihn nun schon 1 Jahr dauert.

Ich aber spüre meine Liebe zu ihm. Ich erinnere mich an sein großes Herz, das sich nie so recht entfalten konnte. Ich erinnere mich an all die Male, in denen er seinen Wunsch nach Intensität und Leidenschaft nur als sportliche Leistung erleben konnte.

Und ich wünschte mir von Herzen, dass ich ihm etwas von meiner Herzkraft schenken könnte. Ich weiß, dass der Weg vom Ich zum Wir kein leichter ist. Wer ihn nicht freiwillig geht, den fordert das Leben heraus… und zwar dann, wenn wir hilflos sind und nicht anders können als – vertrauen.

Möge dein Herz dich durch diese Erfahrung mit der Kraft tragen, die es für mich immer hatte. Ich liebe dich.

Ist Führung ein Privileg?

Im Zug: Zwei Führungskräfte sprechen über hartnäckig sich verweigernden Mitarbeiter und dadurch entstehenden Kosten für das Unternehmen.

Ich frage mich im Stillen: Ist Führung ein Talent, eine Zumutung, ein Privileg? Oder eine Entwicklungsaufgabe, ein Lernfeld für Mitmenschlichkeit und kollegiale Mitverantwortung?

Plötzlich wage ich zu denken: Im Grunde ist für die Führung nur eine Frage von Bedeutung: Habe ich ein vorbehaltloses Interesse und Wohlwollen an den Menschen, die ich führe? Wer kein großes Ja für den ihm anvertrauten Menschen hat, kann ihn weder motivieren noch inspirieren und schon gar nicht führen. Ohne dieses Wohlwollen bleibt Führung ein gesellschaftliches Abkommen, mit dem Ziel, sich gegenseitig zur Abwehr aller Spielarten von Angst zu nutzen. Zunehmende Arbeitsunzufriedenheit und hohe Krankenständen sind darin genauso vereinbarte Spielformen wie Sabotage und Boykott.

Führung gelingt nur aus Liebe. Ihre existenzielle Herausforderung liegt in der Erweiterung der persönlichen Ja-Kraft.