Die Klassenfahrt: Das Wir gewinnt

Auf einer Geburtstagsfeier treffen Birgit-Rita und ich eine Freundin. Elke ist Lehrerin an einer Gesamtschule und ist gerade von einer 1-wöchigen Klassenfahrt mit elf- bis dreizehn-jährigen Schülern zurück. Wir sind neugierig – und Elke erzählt:

An ihrer Schule werden inzwischen Klassenlehrer-Duos eingesetzt. Damit lag die Gestaltung der Klassenfahrt bei ihr und ihrer Team-Partnerin. Die beiden wollten den Schülern mit dieser gemeinschaftlichen Erfahrung vermitteln, dass sich Selbstvertrauen in der Auseinandersetzung mit der Welt entwickelt und dass es Spaß macht, innerhalb einer Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen.

So haben sie sich für eine Haus mit Selbstversorgung entschieden. Die Kinder waren für die Essensplanung, den Einkauf, das Kochen und Abwaschen zuständig. Die Kinder wurden in Kleinfamilien aufgeteilt, die jeweils ein eigenes Haus bewohnten. Jedes Haus hatte eine bestimmte Verantwortungen für das gemeinsame Miteinander. Die einen waren für das Geld zuständig, andere für den Einkauf oder das Kochen. Jeder war wichtig… Sie haben mit den Kindern Ausflüge in die Umgebung unternommen und gemeinsam an einem Outdoor-Training teilgenommen.

Elke erzählt mit glänzenden Augen über ihre ungewöhnlichen Erfahrungen. Gerade die schwierigen Schüler haben sich am meisten für das gemeinsame Wohlergehen engagiert. Viele Konflikte ließen sich gemeinsam lösen, weil alle ihren Beitrag leisten wollten. Ein Diebstahl wurde von allen betroffenen Seiten verantwortet und damit zu einer Lernerfahrung für alle.

Wie begeistert Kinder soziale Verantwortung übernehmen, wenn sie spüren, dass sie wichtig sind…
Wie leicht ihnen das Lernen fällt, wenn sie erleben, dass das Gelernte für die Gemeinschaft von praktischer Bedeutung ist…

Immer mehr Kinder können Wissen nur im Kontext eines sinnvollen Zusammenhangs lernen. Sie lernen gerne und leicht, wenn sie mitmenschliches Wohlwollen erleben und um die praktische Relevanz des Gelernten wissen. Damit fordern sie uns heraus, für sie und uns einen Lern-Weg in die Zukunft zu entwerfen, der praktisch, sinnvoll und herzvoll ist – oder keine Weg sein wird.

Wann und wie lernen Sie eigentlich leicht und gerne?

Leadership matters

Manchmal schaue ich morgens im Netz bei www.TED.com vorbei. Diese Organisation führt seit 1984 regelmäßig Konferenz durch, auf der Menschen inspirierende Wege für unser Zukunft präsentieren und austauschen.

Heute hat mich ein Vortrag von Patrick Awuah inspiriert. Patrick Awuah hat in Ghana die Ashesi-Universität gegründet, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, eine neue Generation von Führungskräften so auszubilden, dass sie in der Lage sind, kreative Lösungen für die großen Probleme Afrikas zu entwickeln. Er ist ein großer Visionär mit viel Bescheidenheit. Wenn ich ihm zuhöre, kann ich spüren, welche Bodenständigkeit, Körperintelligenz und Herzenskraft Afrika in unserer Welt repräsentiert.

Er beschreibt in seinem Vortrag, dass Afrika an einem Punkt seiner Entwicklung angekommen ist, wo durch eine einzige Generation der Quantensprung in eine ethische Gesellschaft vollzogen werden kann – wenn die jungen Führungskräfte nur ein gute Ausbildung in ethischer Verantwortung und Integrität bekommen – Leadership matters. Ich weiß auf einmal: Wenn dieser Kontinent einen guten Weg findet, gewinnen wir alle etwas dazu.

Durch seine Liebe zu Afrika wird meinen Vision zu einem leidenschaftlichen Anliegen: Daran mitzuwirken, dass in Europa eine Generation von Führungskräften heranwächst, die in emotionaler Selbstführung, Mitmenschlichkeit und Integrität ausgebildet worden ist.

Nur durch Mitmenschlichkeit in der Führung können wir gemeinsam Lösungen entwickeln, die einerseits individuell angemessen und andererseits global wirksam sind.

Hast du auch einen Traum von Führung?

Leitbilder der Führung: Jürgen Klinsmann, Steve Job und – Dorothee Echter

Es gibt viele Weisen, um sich zu entwickeln. Der Weg mit einem Leitbild ist dabei auch ein Entwicklungsweg in unsere Beziehungsfähigkeit. Bei einem Leitbild geht es nicht um die Verherrlichung von Idealen, sondern um die Fokussierung der eigenen Entwicklungsfelder. Es geht auch nicht um die Glorifizierung der ganzen Person, sondern um die gezielte Würdigung und Wertschöpfung bestimmter Fähigkeiten dieses Menschen. Auf diesem Weg lernen wir wesentliche Aspekte unserer Beziehungsfähigkeit: die Würdigung von Unterschieden… den Umgang mit Andersartigkeit… die Differenzierung von Eigenem und Anderem…

Als Leitbilder begleiten mich gerade Steve Jobs und Jürgen Klinsmann. Jürgen Klinsmann hat für mich den Gemeinschaftsgedanken und das Wissen um die Wirkkraft von Unterschiedlichkeit in die Teamführung eingeführt. Ich habe ihn als Weltmeister der Führung bezeichnet. Er hat in der Welt – bescheiden und ohne viel Selbstdarstellung – ein Symbol für das heilsame Ende unserer schuldhaften Vergangenheit gesetzt und Deutschland neu sichtbar gemacht. Steve Jobs hat sich niemals an seinen wirtschaftlichen Erfolg bei Apple verkauft. Er ist für mich ein Leitbild an Authentizität und Mitmenschlichkeit, denn er hat den Mut – auch in der Öffentlichkeit – persönlich zu sein und Unkonventionelles zu fördern. Über ihn sollte man meiner Meinung nach vor allem Folgendes wissen.

Am letzten Wochenende sind Birgit-Rita Reifferscheidt und ich nach München gefahren. Wir wollten dort einige Menschen treffen, mit denen wir uns gerne beruflich kombinieren möchten. Den Samstagnachmittag und –abend haben wir mit Dorothee Echter verbracht. Sie berät die Topmanager von Deutschland. Wir haben sie durch ihr Buch Rituale im Management entdeckt. Sie ist ein lebendes Beispiel dafür, wie sich Mitmenschlichkeit und Kompetenz ganz natürlich verbinden können.

Nach unserer unbeschwert tiefen Begegnung habe ich Dorothee Echter für mich als drittes Leitbild der Führung gewählt. Für sie zeichnet sich eine Top-Führungskraft durch hohe Intelligenz, durch große Vitalität und durch traumatische biographische Erfahrungen aus. Ein Großteil ihrer Führungskraft entwickelt sich erst aufgrund dieser schmerzlichen Erfahrungen. Somit wird aus unserem persönlichen Handicap unser größtes Talent… Sie setzt in ihrem Wirken vorbehaltlos auf die Kraft der Dankbarkeit. Ich bestaune an ihr, wie sie die psychologische Innenwelt der individuellen Führungskraft mit den allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den organisatorischen Strukturen eines Unternehmens zusammenbringt, indem sie an die optimale Passung zwischen Individuum und Unternehmen glaubt. Sie arbeitet immer in Kombination mit anderen und mit der Unterstützung eines an ihr ausgerichteten Netzwerks.

Mit ihr habe ich erlebt: Es gibt viele Menschen, die das Gleich bewirken wollen. Wir müssen nur wählen, sie zu treffen…

Wer ist eigentlich gerade dein Leitbild für Mitmenschlichkeit in der Führung?

Tibet 10: Ich komme aus dem Flussland

Am nächsten Morgen werde ich mit der Erkenntnis wach: Ich gehöre hier oben nicht hin. Ich komme aus dem Flussland…

Darin liegt keine Unzufriedenheit, kein Hader, keine Klage. Es ist ganz einfach eine Einsicht in den Sinn meines eigenen Lebens.

So langsam wächst in mir der Stolz auf das Erbe meiner Vorfahren. Unsere deutsche Geschichte hat uns dazu gezwungen, uns mit der Schuld der Täterschaft auseinanderzusetzen…

Wir haben ein nahezu perfektes Programm zur Auslöschung des Fremden entwickelt… Der Genozid scheint zu einer Phase der Menschheitsentwick-
lung dazu zu gehören. Wir finden ihn überall: in den USA (Indianer), in Australien (Aboriginis), in Europa (Juden), in Asien (z.B. Tibeter)… Mitmenschlichkeit wächst aus unserem Schatten. Erst die eigenen dunklen Seiten lehren uns das Mitgefühl mit den Anderen.

Es gibt nicht viele Völker auf dieser Erde, die ihre eigene Schatten-Geschichte so eingestehen mussten wie wir. So ist aus einer faschistischen Haltung eine kooperative geworden, aus Ausgrenzung das Bemühen um Integration. Aus Kontrolle wird Herzkraft, aus Funktion wird Authentizität. Auch wenn wir noch nicht angekommen sind – wir sind auf dem Weg – langsam, Schritt für Schritt.

Zu Hause angekommen, habe ich zunächst das Gefühl, viel zu langsam für meinen Alltag zu sein… Auch wenn ich inzwischen wieder ganz gelandet bin, etwas ist ‚anders’ geblieben: Ein innerer Abstand zu den Dingen der Welt… Ein gelassener Blick – vom Dach der Welt – auf die Konflikte des Lebens… Ein tiefes Wissen darum, dass jede Erfahrung, die wir machen, ihre Wurzeln in unserer Geschichte hat – sowohl persönlich als auch historisch.

Es gibt immer eine Archäologie des Augenblicks. Und ich erkenne meinen Platz in der Geschichte.

Danke, dass ihr 10 Tage mit mir gegangen seit…

Tibet 9: Der Teppichkauf

Von Lhasa führt unsere Reise zurück nach Kathmandu. Vor unserem Abflug haben wir 3 Tage, um Kathmundu zu erkunden, das beste Hotel der Stadt zu genießen und natürlich – zu shoppen. Carola weiß was sie will – einen Seidenteppich. Wulf gibt uns noch eine Einführung in die Kunst des nepalesischen Handelns – und dann machen wir beide uns auf den Weg in die Altstadt von Kathmandu.

Wir landen in einem Geschäft, das bis unter die Decke mit Teppichen voll ist. Wir werden vom Besitzer über schmale Stiegen bis hinauf ins 3. Stock geführt und lassen uns dort auf einem Berg von Teppichen nieder. Er beginnt ein Gespräch – über den Kailash, über Nepal, über die Kunst des Teppichknüpfens… Währenddessen beginnt sein Partner vor uns Teppiche auszubreiten und herauszufinden, was wir mögen und was uns nicht gefällt. Bald hat er ein sicheres Gefühl für unsere Vorlieben. Jeder Teppich, den wir nun zu sehen bekommen, ist wunderbar – ein Genuss für Augen, Füße und Hände…

Und plötzlich verschwindet für mich die Zeit… Ich bin vollkommen eingetaucht in die Welt eines Teppichhandels… Ich genieße jeden Augenblick. Kaufen und Verkaufen sind eine Form der Begegnung. Der Handeln um den Preis ist die Grundlage für den Beziehungstanz zwischen Händler und Käufer.

Eine Stunde später haben wir einen Teppich gekauft und alle sind glücklich. Als der Teppichverkäufer den Handel mit einem Handschlag besiegelt, sagt er: ‚Das war ein gutes Geschäft, denn wir teilen unsere Freude‘. Er erzählt davon, wie oft er Teppiche an Ausländer verkauft, die zwar den Preis herunterhandeln wollen, aber ihr Glück nicht kennen. Am Ende haben sie ein Schnäppchen gemacht, sind aber nicht glücklicher als vorher. Dann hat niemand eine gutes Geschäft gemacht.

Plötzlich fällt mir auf, wie oft wir etwas kaufen und verkaufen ohne das wir darüber glücklich sind… wie oft wir uns bei einem Handel am Ende doch übers Ohr gehauen fühlen… Unter einem sogenannten ‚guten Geschäft‘ wird in Deutschland oftmals verstanden, dass der Andere der Dumme ist. Mit dem Teilen von Freude hat das nichts zu tun..

An diesem Nachmittag habe ich gelernt:
Jedes gute Geschäft beinhaltet das Gleichgewicht von Geben und Nehmen.
Und ein gutes Geschäft erkennt man daran, dass wir gemeinsam unsere Freude teilen.